Adsorptionskältemaschine im Schiffbau: Technik und Einsatz __

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5. Juni 2026 6 min.

Ein moderner Schiffsdieselmotor ist ein Kraftpaket, doch er hat ein physikalisches Problem: Mehr als 50 Prozent der eingesetzten Brennstoffenergie verpuffen ungenutzt als Abwärme. Eine Lösung für den Schiffbau bieten Adsorptionskältemaschinen. Anstatt Strom aus zusätzlichen Dieselgeneratoren zu nutzen, um mechanische Kältemaschinen anzutreiben, wandeln sie die vorhandene Abwärme des Schiffsantriebs an Bord in Nutzkälte um. Die wird vor dem Hintergrund der regulatorischen Anforderungen zur CO2-Minimierung der IMO durch EEDI (Energy Efficiency Design Index) und den CII (Carbon Intensity Indicator) immer wichtiger.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Anlage nutzt vorhandene thermische Überschüsse (z. B. 80 °C heißes Motorenkühlwasser) und ersetzt damit stromfressende mechanische Kompressoren.
  • Destilliertes Wasser dient als Kältemittel, wodurch das Treibhauspotenzial (GWP) bei absolut null liegt.
  • Da nahezu keine beweglichen Teile verbaut sind, ist das System wartungsarm und unempfindlich gegen die rauen Bedingungen (Vibrationen) auf See.
  • Durch den Einsatz fester Sorptionsmittel (Feststoff) kann das System selbst bei starkem Rollen und Stampfen des Schiffes nicht „überschwappen“ oder ausfallen.
  • Korrosionsresistente, langlebige Rohrsysteme aus PP-RCT erleichtern die Installation und minimieren Kälteverluste auf dem Weg zum Verbraucher verhindern.

 

Was ist eine Adsorptionskältemaschine?

Die Adsorptionskältemaschine (AdKM) ist eine sogenannte thermisch angetriebene Kälteanlage. Sie kommt ohne mechanischen Verdichter aus und nutzt den physikalischen Prozess der Adsorption. Bei der Adsorptionskältemaschine lagert sich ein Gas an der porösen Oberfläche eines Feststoffs an. Dieser Feststoff, das sogenannte Sorptionsmittel, ist unbeweglich in Kammern (dem Adsorber) verbaut. Selbst wenn das Schiff in schweren Wellengang gerät, bleibt das Sorptionsmaterial dort, wo es hingehört. Das macht die AdKM zur weitaus robusteren Wahl für den maritimen Einsatz.

Die Materialien: Zeolith und Silikagel

Als Adsorbens kommen Hochleistungsmaterialien zum Einsatz, die eine riesige innere Oberfläche besitzen. Am häufigsten werden Silikagel (Kieselgel) oder Zeolith verwendet. Ein einziges Gramm Zeolith kann durch seine mikroskopisch kleinen Poren und Kanäle eine innere Oberfläche von über 1.000 Quadratmetern aufweisen. Dieses Material fungiert als eine Art molekularer Schwamm.

Das Kältemittel: destilliertes Wasser

Als Kältemittel wird destilliertes Wasser eingesetzt. Wasser ist auf Schiffen verfügbar, ungiftig, nicht brennbar und bietet eine hohe spezifische Verdampfungsenthalpie. Das bedeutet: Wenn Wasser verdampft, entzieht es seiner Umgebung viel Wärmeenergie. Da das Wasser im System unter einem starken Vakuum (Unterdruck) steht, verdampft es nicht erst bei 100 °C, sondern bereits bei kühlen 3 bis 5 °C. Die Adsorptionskältemaschine macht sich also das Bestreben des trockenen Silikagels oder Zeoliths zunutze, diesen kalten Wasserdampf in seine Poren einzusaugen.

Adsorptionskältemaschine: Funktion einfach erklärt

Die Funktion der Adsorptionskältemaschine lässt sich auf ein einfaches Prinzip reduzieren. Da der physikalische Prozess der Adsorption von Natur aus diskontinuierlich abläuft – ein Sorptionsmittel muss erst Feuchtigkeit ansaugen und danach wieder getrocknet werden –, nutzen Anlagen für den Dauerbetrieb in der Regel zwei Module, die antizyklisch (phasenverschoben) arbeiten.

Eine Adsorptionskältemaschine besteht hydraulisch aus drei Kreisläufen: dem Antriebskreislauf (heißes Kühlwasser vom Schiffsmotor), dem Kaltwasserkreislauf (Nutzkälte für die Verbraucher) und dem Rückkühlkreislauf (meist mit Meerwasser betrieben). Im Gegensatz zu klassischen Kompressions-Kältemaschinen verzichtet dieser gesamte Ablauf auf mechanische Verdichter und nutzt das ohnehin vorhandene Heißwasser der Schiffsmotoren als thermischen Kompressor. Die Kälte wird in hermetisch abgedichteten Kammern unter einem extremen Vakuum erzeugt und durchläuft vier Phasen.

  1. Desorption (Austreiben und Regenerieren): In der ersten Kammer ist das Sorptionsmittel (z. B. Silikagel) stark mit Wasser gesättigt. Nun wird dem Adsorber thermische Energie in Form von heißem Kühlwasser (ca. 70 bis 90 °C) aus dem Hochtemperatur-Kreislauf (HT) der Haupt- oder Hilfsdiesel zugeführt. Durch diese Wärme verdampft das gebundene Wasser aus den mikroskopischen Poren des Feststoffs. Das Adsorbens wird dadurch „getrocknet“ und regeneriert. Dieser Vorgang nennt sich Desorption.
  2. Kondensation (Verflüssigung): Der heiße, ausgetriebene Wasserdampf strömt in den Kondensator. Dort wird er über Wärmetauscher abgekühlt, die an den Rückkühlkreislauf (Meerwasser) des Schiffes angeschlossen sind. Der Dampf gibt seine Wärme ab, kondensiert und wird wieder zu flüssigem Wasser.
  3. Verdampfung (Kälteerzeugung): Das flüssige Kältemittel wird nun über ein Ventil in den Verdampfer geleitet. Hier zeigt sich die physikalische Besonderheit des Vakuums: Bei einem Anlagendruck von beispielsweise nur 10 mbar (1000 Pascal) verdampft Wasser nicht bei 100 °C, sondern bereits bei eisigen 5 °C bis 7 °C. Um von flüssig zu gasförmig zu wechseln, benötigt das Wasser Verdampfungsenthalpie (Energie). Diese Energie entzieht es dem Kaltwasserkreis und in diesem Moment entsteht die wertvolle Nutzkälte.
  4. Adsorption (Ansaugen und Binden): Der eiskalte Wasserdampf aus dem Verdampfer strömt in die zweite Kammer. Hier wartet das zuvor getrocknete, aufnahmefähige Silikagel. Es saugt den Wasserdampf auf (Adsorption). Bei dieser Anlagerung an den Feststoff entsteht wiederum Bindungswärme, die kontinuierlich über den Seekühlwasserkreis abgeführt werden muss. Ist das Material in der zweiten Kammer gesättigt, schalten die Ventile um, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Adsorptionskältemaschine im Schiffbau: Technik und Einsatz

Adsorptionskühlung im Schiffbau: Wärmequellen, Einsatzbereiche und Voraussetzungen

Ein modernes Schiff ist ein autarkes, komplexes Ökosystem. Quasi eine schwimmende Kleinstadt, die fernab landseitiger Infrastruktur teils monatelang reibungslos funktionieren muss. Einer der wichtigsten Faktoren beim Aufbau eines Schiffes ist das thermische Management. Doch wofür genau wird auf den Ozeanen eigentlich Kälte benötigt?

Die Kälteerzeugung auf Schiffen teilt sich im Wesentlichen in vier Einsatzbereiche auf:

  • Klimatisierung (HVAC) für Passagiere und Crew
  • Kühlung sensibler Bordelektronik und IT
  • Proviantkühlanlagen für autarke Überfahrten
  • Frachtkühlung und lückenlose Kühlketten (Reefer)

All diese essenziellen Einsatzbereiche haben eines gemeinsam: Werden sie ausschließlich über klassische, elektrische Kompressionskältemaschinen betrieben, fressen sie Mengen an Strom. Dieser Strom muss von den dieselbetriebenen Hilfsgeneratoren des Schiffes (Auxiliary Engines) teuer und emissionsreich erzeugt werden. Adsorptionskältemaschinen entfalten hier ihr Potenzial: Sie liefern kontinuierlich Kaltwasser von 5 bis 7 °C. Damit sind sie geeignet, um die größten Energiefresser an Bord – die Klimatisierung der Kabinen und die Kühlung der Serverräume – nahezu kostenneutral und rein aus der Abwärme der Motoren zu betreiben.

Der Wirkungsgrad der Adsorptionskältemaschine in der Praxis

Ein TGA-Planer, der an herkömmliche Kältetechnik gewöhnt ist, wäre beim Wirkungsgrad einer Adsorptionskältemaschine verwundert. Die thermische Leistungszahl (der COP = Coefficient of Performance) liegt bei diesen Anlagen oft nur zwischen 0,5 und 0,7. Das bedeutet: Aus 100 kW thermischer Antriebsenergie werden rund 50 bis 70 kW Kälteleistung erzeugt.

Was auf dem Papier nach einem geringen Wirkungsgrad aussieht, ist auf einem Schiff ein wirtschaftlicher und ökologischer Faktor. Die genutzte Abwärme ist nämlich kostenlos. Sie ist ein Abfallprodukt der Motorenkühlung, das ansonsten einfach ins Meer geleitet würde. Der Betrieb der Adsorptionsanlage benötigt lediglich minimal Strom für die Umwälzpumpen und die Sensorik.

Vorteile und Grenzen der Adsorptionskühlung im maritimen Einsatz

Die Entscheidung für eine thermisch angetriebene Kühlung ist für Schiffsbetreiber eine regulatorische und strategische Notwendigkeit. Die Umstellung auf die Adsorptionskühlung adressiert gleich mehrere Kernprobleme der modernen Seefahrt auf einmal.

Senkung des elektrischen Energiebedarfs
Herkömmliche, stromgeführte Kompressionskältemaschinen gehören zu den größten Verbrauchern im Bordnetz. Durch die Nutzung von ohnehin vorhandener Abwärme als Antriebsquelle reduziert die Adsorptionskältemaschine den Strombedarf für die Kälteerzeugung um bis zu 80 Prozent. Das entlastet die Hilfsdiesel enorm, spart Tausende Tonnen Treibstoff pro Jahr und verbessert das CII-Rating des Schiffs drastisch.

Maximale Robustheit bei Seegang
Auf dem Meer herrschen andere physikalische Gesetze als an Land. Ein Schiff stampft, rollt und vibriert ununterbrochen. Während Absorptionskältemaschinen (mit flüssigen Medien) durch das Schwappen im Tank massiv an Leistung verlieren können, nutzt die Adsorptionskältemaschine einen Feststoff (Silikagel oder Zeolith). Dieser unbewegliche Feststoff garantiert einen stabilen, störungsfreien Prozess, selbst wenn das Schiff durch schwerste See manövriert.

Nahezu wartungsfrei
Ein System, das keine großen mechanischen Verdichter besitzt, unterliegt auch keinem mechanischen Verschleiß. Die Vakuumpumpen und Umwälzpumpen sind die einzigen beweglichen Teile. Das reduziert Wartungsintervalle, senkt Ersatzteilkosten und entlastet die Crew im Maschinenraum.

100 % umweltfreundliches Kältemittel
Fluorierte Treibhausgase (F-Gase) als Kältemittel werden durch internationale Regularien (wie das Kigali-Amendment) immer strenger reglementiert und teuer. Die AdKM nutzt reines Wasser als Kältemittel. Es ist ungiftig, nicht brennbar, und das Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) liegt bei null. Bei einer eventuellen Leckage droht weder der Umwelt noch der Besatzung eine Gefahr.

Erfüllung regulatorischer Anforderungen
Der Effizienzsprung durch Adsorptionskühlung ist heute wichtiger denn je. Seit Anfang 2023 gelten für die internationale Schifffahrt die strengen IMO-Regularien EEXI (Energy Efficiency Existing Ship Index) und der CII (Carbon Intensity Indicator). Ein Schiff, das ein schlechtes CII-Rating erhält (D oder E), muss zwingend Nachbesserungspläne vorlegen und droht, seine Betriebserlaubnis zu verlieren.

Da der elektrische Strom auf Schiffen aus Dieselgeneratoren stammt, verschlechtert jede eingesparte Kilowattstunde Strom für die Kühlung automatisch die CO₂-Bilanz. Pioniere der Branche machen es bereits vor: Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Engimmonia wird auf der Passagierfähre F/B Elyros eine optimierte Adsorptionskältemaschine getestet, die gezielt die Motorabwärme nutzt, um den großen Passagierbereich zu kühlen.

Adsorptionskühlung im Schiffbau: Anforderungen an Rohrleitungssysteme

Eine noch so fortschrittliche Adsorptionskältemaschine im Maschinenraum verliert ihren gesamten technologischen und wirtschaftlichen Wert, wenn die erzeugte Kälte auf dem Weg zu den Verbrauchern verloren geht. Auf großen Fracht- oder Kreuzfahrtschiffen muss das im Verdampfer auf 5 bis 7 °C heruntergekühlte Wasser oft hunderte Meter weit transportiert werden – zu den Klimaregistern der Kabinen, zu den Kühllagern für den Proviant oder in die Server- und Technikräume. Bei der Medienverteilung zeigt sich die Qualität der TGA-Planung. Die Bedingungen auf See sind für Rohrleitungssysteme höchst anspruchsvoll.

  • Aggressives Klima: Die salzhaltige Seeluft führt bei klassischen Metallrohren unweigerlich zu massiver Außenkorrosion. Auch das Kühlmedium im Inneren kann durch Sauerstoffeintrag zu Lochfraß führen.
  • Kondenswasser (Schwitzwasser): Die hohe Luftfeuchtigkeit auf See ist der Feind jeder Kälteleitung. Metall leitet Kälte extrem gut. Wenn die oft fehleranfällige und schwere Isolierung an metallischen Rohren auch nur winzige Lücken aufweist, bildet sich Kondenswasser an der eiskalten Rohroberfläche.
  • Gewicht: Metallrohre sind schwer. Im Schiffbau zählt jedoch jedes Kilogramm. Mehr Gewicht bedeutet mehr Tiefgang, höherer Wasserwiderstand und letztendlich mehr Treibstoffverbrauch.

Die Lösung für Kältenetze: aquatherm blue

Um den thermischen Kreislauf der Anlage absolut verlustfrei, sicher und langlebig zu schließen, setzen Werften, Planer und Reedereien auf fortschrittliche Kunststoff-Rohrleitungssysteme wie aquatherm blue. Das Rohr aus hochresistentem Polypropylen (PP-RCT) wurde speziell für die Herausforderungen in der Kälte- und Klimatechnik entwickelt und spielt im maritimen Einsatz seine Stärken voll aus.

  • Korrosionssicherheit: Polypropylen reagiert weder mit Salzwasser noch mit feuchter Seeluft. Ein Durchrosten, Ablagerungen oder Lochfraß sind physikalisch und chemisch ausgeschlossen. Das Rohrleitungssystem hält ein Schiffsleben lang.
  • Dämmwirkung: Kunststoff besitzt eine um ein Vielfaches geringere Wärmeleitfähigkeit als Metall. Die Kälte bleibt im Rohr. Dadurch wird das Risiko von Kondenswasserbildung minimiert.
  • Gewichtsersparnis: aquatherm blue ist signifikant leichter als Stahl- oder Kupferrohre. Bei einem kompletten Rohrleitungsnetz auf einem Schiff lassen sich mehrere Tonnen Gewicht einsparen.
  • Stoffschlüssige Verbindung: Durch E-Muffen- oder Stumpfschweißen verschmelzen Rohr und Fitting zu einer homogenen, stoffschlüssigen Einheit. Im Gegensatz zu gepressten oder geschraubten Metallverbindungen, die sich durch ständige Schiffsvibrationen lockern können, entsteht bei aquatherm blue eine leckagesichere und dauerhaft vibrationsfeste Verbindung.

Fazit: Abwärme auf Schiffen mit Adsorptionskältemaschinen sinnvoll nutzen

Die Schifffahrt muss Emissionen und Treibstoffverbrauch massiv senken. Adsorptionskältemaschinen bieten hierfür einen wichtigen Beitrag: Sie wandeln ohnehin vorhandene Motorabwärme direkt in Nutzkälte um. Dieser Verzicht auf stromfressende Kompressoren spart bis zu 80 Prozent der elektrischen Kühlenergie und verbessert das vorgeschriebene CII-Rating des Schiffes maßgeblich. Da das System auf Wasser als Kältemittel und feste Sorptionsmittel setzt, arbeitet es zudem völlig unempfindlich gegenüber schwerem Seegang und strengen Umweltauflagen.

Die höchste Effizienz bei der Kälteerzeugung verpufft jedoch, wenn die Infrastruktur nicht optimal darauf ausgelegt ist. Salzhaltige Seeluft, hohe Luftfeuchtigkeit und ständige Vibrationen bringen klassische Metallrohre durch Korrosion und Kondenswasser an ihre Grenzen. Eine zukunftssichere und wirtschaftliche TGA-Planung auf See erfordert daher den Systemwechsel bei der Medienverteilung. Erst mit leichten, wärmedämmenden und dauerhaft korrosionsfreien Kunststoff-Rohrleitungssystemen wie aquatherm blue (PP-RCT) wird der thermische Kreislauf sicher und ohne Kälteverluste geschlossen

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