Legionellen im Trinkwasser: Pflichten & Prävention __

Legionellen im Trinkwasser: Pflichten & Prävention
14. Juli 2026 5 min.

Wann wird eine Trinkwasserinstallation zum Risiko? Wenn innerhalb der Installation Bedingungen entstehen, unter denen sich Legionellen im Trinkwasser vermehren können. Ein auffälliger Laborbefund ist dann der Nachweis dieser Belastung. Doch so weit sollte es durch präventive Maßnahmen gar nicht kommen.

Für Gebäude mit zentraler Trinkwassererwärmung ist es entscheidend, was innerhalb der Installation passiert: Temperaturen verändern sich, Wasser stagniert, Biofilme entstehen, selten genutzte Entnahmestellen werden zu Schwachstellen. Legionellen im Leitungswasser sind in den meisten Fällen das unerwünschte Ergebnis eines Zusammenspiels aus Installation, Temperaturführung, Betrieb und Betreiberpflichten.

Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lassen sich Planung, Betrieb und Rohrsystem so aufeinander abstimmen, dass hygienische Risiken wie Legionellen im Leitungswasser gar nicht erst entstehen?

Das Wichtigste in Kürze:

    • Legionellen kommen natürlicherweise in Süßwasser vor und können in Gebäudewassersystemen zum Problem werden, wenn sie sich stark vermehren.
    • Das Infektionsrisiko entsteht vor allem durch das Einatmen belasteter Aerosole, etwa beim Duschen.
    • Kritisch sind Temperaturen unter 55° C im Warmwasser-Zirkulationssystem, Stagnation, Biofilm, Totleitungen und selten genutzte Entnahmestellen.
    • Eine Legionellenprüfung ist für bestimmte Anlagen zur Trinkwassererwärmung in gewerblich oder öffentlich genutzten Gebäuden vorgeschrieben.
    • Ein Rohrsystem allein verhindert keine Legionellen. Es kann aber eine normgerechte, betriebssichere Trinkwasserinstallation unterstützen.

 

Was sind Legionellen und warum sind sie gesundheitlich relevant?

Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in Süßwasser vorkommen. In geringen Konzentrationen sind sie zunächst kein ungewöhnlicher Befund. Bedeutung gewinnen sie dort, wo technische Wassersysteme Bedingungen schaffen, unter denen sich die Bakterien vermehren können. Das betrifft vor allem Warmwassersysteme in Gebäuden, aber auch andere Anlagen, in denen Wasser erwärmt, gespeichert, verteilt oder vernebelt wird.

Aus gesundheitlicher Sicht ist besonders Legionella pneumophila bedeutsam. Sie gilt als wichtigste Art im Zusammenhang mit Legionellosen. Eine Infektion entsteht in der Regel nicht durch das Trinken von Wasser, sondern durch das Einatmen fein zerstäubter Wassertröpfchen. Solche Aerosole können zum Beispiel beim Duschen, in Whirlpools, über Luftbefeuchter oder in technischen Anlagen entstehen, in denen Wasser in die Luft gelangt.

Die möglichen Erkrankungen unterscheiden sich deutlich. Pontiac-Fieber verläuft meist grippeähnlich und ohne Lungenentzündung. Die Legionärskrankheit ist dagegen eine schwere Form der Lungenentzündung und kann insbesondere für ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden.

Legionellen in der Wasserleitung: Einfluss von Temperatur, Biofilm und Stagnation

Legionellen vermehren sich unter bestimmten Bedingungen: Das können schlecht geplante, ungünstig betriebenen oder veränderte Installationen sein. Der Zusammenhang von Wassertemperatur und Legionellen spielt dabei eine zentrale Rolle. Besonders kritisch sind Temperaturbereiche, in denen sich Legionellen vermehren können. Die technischen Bewertungen und Vorgaben, die daraus folgen, unterscheiden sich jedoch je nach Land. Die USA und Deutschland zeigen das beispielhaft.

Deutschland: Exemplarisch für gesetzliche Normen

In Deutschland sind für Planung und Betrieb die Trinkwasserverordnung und die allgemein anerkannten Regeln der Technik maßgeblich. Das DVGW-Regelwerk sieht für technische Großanlagen zur Trinkwassererwärmung vor, dass am Austritt des Trinkwassererwärmers mindestens 60 °C erreicht werden. Im Zirkulationssystem soll die Temperatur nicht unter 55 °C fallen. Der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) und das Umweltbundesamt beschreiben 55 °C im gesamten Zirkulationssystem als Temperatur, die sicher vor einer Vermehrung von Legionellen schützt.

USA: Beispiel für Wassertemperatur und Legionellen

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) beschreiben 25 °C bis 45 °C als besonders günstigen Wachstumsbereich. Zugleich weisen sie darauf hin, dass Legionellen unter bestimmten Bedingungen auch bei niedrigeren Temperaturen wachsen können. In ihren Hinweisen zu Kaltwasser nennen sie dafür Temperaturen ab etwa 20 °C. die Praxis heißt das: Warmwasser, das zu stark abkühlt, und Kaltwasser, das sich zu stark erwärmt, geraten in einen hygienisch ungünstigen Bereich. Deshalb gehört die klare Trennung von kalten und warmen Temperaturzonen zu den wichtigsten Aufgaben in Planung und Betrieb.

Weitere Risikofaktoren:

  • Stagnation: Wasser, das über längere Zeit in Leitungen steht, verliert seine ursprüngliche Temperaturführung und begünstigt mikrobiologisches Wachstum.
  • Biofilm: Ablagerungen an Innenoberflächen können Mikroorganismen Schutz und Nährstoffe bieten.
  • Totleitungen: Nicht oder kaum durchströmte Leitungsabschnitte erhöhen das Risiko stehenden Wassers.
  • Selten genutzte Entnahmestellen: Duschen, Armaturen oder Stränge mit geringer Nutzung können kritische Bereiche bilden.
  • Speicher und Zirkulation: Warmwassersysteme müssen so ausgelegt und betrieben werden, dass Temperaturhaltung und Durchströmung funktionieren.

Damit wird die Legionellenprävention zu einem Kernaspekt der Trinkwasserhygiene. Entscheidend ist das Gesamtsystem: Dimensionierung, Leitungsführung, Dämmung, Temperaturhaltung, Nutzung und regelmäßiger Wasseraustausch müssen zusammenpassen.  

Legionellenprüfung: Wann ist sie Pflicht?

Bei der Pflicht zur Legionellenprüfung kommt es auf die Art der Anlage und ihre Nutzung an. In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung, welche Wasserversorgungsanlagen regelmäßig auf Legionella spec. - also auf Legionellenarten im Sinne der Trinkwasserverordnung - untersucht werden müssen.

Eine Untersuchungspflicht besteht, wenn eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung vorhanden ist und Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird. Typische Beispiele sind größere Wohngebäude, Hotels, Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Schulen, Sportstätten, Gewerbeimmobilien oder öffentliche Einrichtungen. Ein- und Zweifamilienhäuser fallen üblicherweise nicht darunter.

Als Großanlage gilt eine Trinkwassererwärmungsanlage,

  • wenn der Trinkwassererwärmer ein Speichervolumen von mehr als 400 Litern hat.
  • wenn der Inhalt der Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der entferntesten Entnahmestelle mehr als drei Liter beträgt.

Die Prüfintervalle richten sich nach der Nutzung der Anlage. Bei öffentlicher Abgabe ist die Untersuchung auf Legionellen grundsätzlich jährlich vorgesehen; bei ausschließlich gewerblicher Tätigkeit mindestens alle drei Jahre. Bei neu in Betrieb genommenen untersuchungspflichtigen Wasserversorgungsanlagen ist nach § 31 TrinkwV die erste Legionellenuntersuchung frühestens drei Monate und spätestens zwölf Monate nach Inbetriebnahme durchzuführen.

Nutzung der Anlage

Typisches Prüfintervall

Abgabe an die Öffentlichkeit

jährlich

Ausschließlich gewerbliche Tätigkeit

alle drei Jahre

Neuanlagen

erste Untersuchung frühestens 3 Monate und spätestens 12 Monate nach Inbetriebnahme

Entnahmestellen bei der Legionellenprüfung: Was die Probenahme zeigen soll

Für einen aussagekräftig ein Befund einer Legionellenprüfung. Reicht eine einzelne Probe an einer beliebigen Armatur nicht aus, um den Zustand einer gesamten Trinkwasserinstallation zu bewerten. Das Ziel der systemischen Untersuchung ist es vielmehr zu erkennen, ob Legionellen in relevanter Konzentration im zirkulierenden warmen Trinkwasser vorkommen.

Für Betreiber heißt das: Die Legionellenprüfung ist Bestandteil der gesetzlichen Verantwortung. Dafür müssen Probenahmestellen so gewählt werden, dass zentrale und periphere Bereiche der Anlage beurteilt werden können. Dazu gehören typischerweise Bereiche am Trinkwassererwärmer, die Zirkulation sowie repräsentative Entnahmestellen im Leitungsnetz.

Für Planung und Betrieb hat das praktische Folgen. Probenahmestellen müssen zugänglich, dokumentierbar und fachgerecht eingebunden sein. Eine vorausschauende Rohrleitungsplanung berücksichtigt diese Anforderungen frühzeitig, statt sie später aufwendig nachrüsten zu müssen. Das erleichtert wiederkehrende Untersuchungen, verbessert die Bewertbarkeit der Ergebnisse und reduziert Unsicherheit im Betrieb.

Legionellen-Grenzwerte im Trinkwasser: Was der technische Maßnahmenwert bedeutet

Umgangssprachlich ist oft von Legionellen-Grenzwerten im Trinkwasser die Rede. Fachlich präziser ist der Begriff „technischer Maßnahmenwert“. Für Legionella spec. liegt dieser Wert in Deutschland bei 100 KBE pro 100 Milliliter Trinkwasser. KBE steht für koloniebildende Einheiten und beschreibt eine mikrobiologische Messgröße für vermehrungsfähige Bakterien.

Wichtig ist: Der technische Maßnahmenwert ist kein Wert, bei dem automatisch eine akute Gesundheitsgefahr für alle Nutzer besteht. Er markiert aber eine Schwelle, ab der der Betreiber handeln muss. Wird der Wert erreicht, sind weitere Schritte erforderlich, um die Trinkwasserqualität zu bewerten, Ursachen zu finden und geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Befund

Einordnung

Was folgt daraus?

< 100 KBE/100 ml

Technischer Maßnahmenwert nicht erreicht

Keine Handlungspflichten aus dem Maßnahmenwert; reguläre Überwachung nach Vorgabe

100 KBE/100 ml

Technischer Maßnahmenwert erreicht

Anzeige an das Gesundheitsamt, Ursachenklärung, Risikoabschätzung und Maßnahmen nach Trinkwasserverordnung

Was tun bei Legionellenbefund?

Ein auffälliger Legionellenbefund ist Anlass für strukturiertes Handeln. Der erste Schritt ist die Bewertung des Laborergebnisses. Entscheidend ist, ob der technische Maßnahmenwert erreicht wurde, welche Entnahmestellen betroffen sind und ob der Befund auf eine lokale oder systemische Kontamination hindeutet.

Danach folgen je nach Situation mehrere Schritte:

    • Anzeige und Abstimmung: Relevante Befunde werden den zuständigen Stellen gemeldet beziehungsweise angezeigt.
    • Ursachenanalyse: Die Trinkwasserinstallation wird auf technische, planerische oder betriebliche Schwachstellen geprüft.
    • Risikoabschätzung: Der Befund wird im Zusammenhang mit Gebäude, Nutzung und Anlagentechnik bewertet.
    • Maßnahmenplanung: Sofortmaßnahmen, betriebliche Anpassungen oder bauliche Sanierungen werden festgelegt.
    • Nachkontrolle: Der Erfolg der Maßnahmen wird durch weitere Untersuchungen überprüft.
    • Kommunikation und Dokumentation: Nutzer, Betreiber, Verwalter und Dienstleister benötigen klare Informationen und belastbare Unterlagen.

Mögliche Reaktionsmaßnahmen reichen von Spülmaßnahmen und Temperaturmanagement über den Rückbau nicht durchströmter Leitungsabschnitte bis zu technischen Sanierungen. In sensiblen Bereichen können zeitweise Nutzungseinschränkungen oder endständige Filter erforderlich werden. Welche Maßnahmen geeignet sind, muss fachlich und objektspezifisch entschieden werden.

Wichtig ist eine realistische Zielsetzung: In komplexen Bestandsanlagen ist eine sofortige, vollständige und dauerhaft sichere Eliminierung von Legionellen im Trinkwasser nicht immer erreichbar. Ziel ist die Minimierung des Risikos nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik und die Wiederherstellung eines hygienisch sicheren Betriebs.

Legionellenrisiken reduzieren: Planung, Betrieb und Rohrsysteme

Die wirksamste Strategie gegen Legionellen im Trinkwasser ist Prävention. Planung, Ausführung und Betrieb müssen verhindern, dass Legionellen günstige Bedingungen vorfinden. Dafür ist es entscheidend alle Faktoren im Blick zu haben.

    • Kurze, nachvollziehbare Leitungswege
    • Bedarfsgerechte Dimensionierung statt überdimensionierter Rohrnetze
    • Vermeidung von Totleitungen und schlecht durchströmten Bereichen
    • Geeignete Dämmung zur Trennung von Kalt- und Warmwasserzonen
    • Sichere Temperaturhaltung im Warmwassersystem
    • Schutz des Kaltwassers vor unzulässiger Erwärmung
    • Zugängliche Probenahmestellen und Revisionsmöglichkeiten
    • Bestimmungsgemäßer Betrieb mit regelmäßigem Wasseraustausch

Diese Anforderungen gilt es bereits in der Planung zu berücksichtigen. Eine Isometriezeichnung der Rohrleitung macht den räumlichen Verlauf des Leitungsnetzes nachvollziehbar: Leitungslängen, Abzweige, Höhenversprünge, Armaturen und Anschlusspunkte werden sichtbar. Damit bietet sie eine wichtige Grundlage, um Leitungsführung, Zirkulation, vorgesehene Probenahmestellen und Wartungsbereiche früh mit der späteren Nutzung des Gebäudes abzugleichen.

PP-Rohrleitungssysteme für Trinkwasser

Ein geeignetes Rohrleitungssystem trägt dazu bei, die geplanten Anforderungen zuverlässig umzusetzen. aquatherm green exemplarisch für PP-Rohrleitungssysteme in Trinkwasseranwendungen. Der korrosionsfreie Werkstoff und die dauerhaft dichten Verbindungen durch die stoffschlüssigen PP-Schweißverfahren tragen dazu bei, Installationen hygienisch und betriebssicher umzusetzen. So entsteht ein Rohrleitungssystem, das Planungssicherheit, Ausführungsqualität und langfristigen Betrieb zusammenbringt.

Fazit: Legionellenmanagement beginnt bei Planung und Betrieb

Legionellen im Trinkwasser sind ein Planungs- und Betriebsthema. Der Laborbefund zeigt am Ende nur, was die Installation und ihr Betrieb vorher ermöglicht haben.

Planung, Ausschreibung und Bestellung von Rohrsystemen müssen deshalb früh berücksichtigen, wie Temperaturführung, Stagnationsvermeidung, Probenahmestellen, Wartbarkeit und Betreiberpflichten zusammenspielen. Denn die Trinkwasserhygiene entsteht durch das Zusammenwirken aus fachgerechter Planung, geeigneten Werkstoffen, sauberer Ausführung und bestimmungsgemäßem Betrieb.

aquatherm unterstützt Planer, Fachhandwerk und Betreiber bei der Auslegung und Umsetzung passender Rohrleitungssysteme für Trinkwasseranwendungen: technisch fundiert, projektspezifisch und mit Blick auf den langfristig sicheren Gebäudebetrieb.

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